Fu▀reflexzonen

 

Der Knochen besteht aus einem äußeren dünnen jedoch sehr harten dichten Knochengewebe (Corticalis oder Compakta) genannt. Die innere Schicht nennt man Spongiosa, weil sie wie ein Schwamm aus einzelnen Knochenbälkchen (trabeculae) und Hohlräumen besteht. Diese Bälkchen sind auf die verschiedenen funktionellen Belastungen ausgerichtet, welche besonders in den Knochen der Beine und Füße zum Tragen kommen. Im Inneren der größeren Knochen (Röhrenknochen) ist ein Hohlraum der mit Knochenmark ausgefüllt ist, wo unter anderem rote Blutzellen gebildet werden. Jeder Knochen ist von einer festen mit zahlreichen Blutgefäßen enthaltenden Haut (Periost) umgeben. Vom Periost geht die Knochenneubildung oder Umbildung aus. Der lebendige Knochen ist kein starres Gebilde wie man ihn vom Skelett aus kennt. Auch das Knochengewebe wird ständig erneuert und die ganze Form des Knochens passt sich immer wieder an die funktionelle Beanspruchung an. Bei einem Knochenbruch bildet das Periost zunächst eine verdickte Knochenschicht (Callus), die den zerbrochenen Knochen schnell wieder funktionstüchtig macht, später wird dieser Callus wieder abgebaut.

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Die Gelenke verbinden die Knochen miteinander, es gibt von der einfachen knorpeligen, bis zu den komplizierten, verschiedene Arten von Gelenken, mit denen wir unsere Bewegungen ausführen können. Ein Knochen trägt den Gelenkskopf der andere die Gelenkspfanne. In jedem Gelenk sind die Knochenflächen mit einem Knorpel bedeckt, manche haben eine Knorpelscheibe (Discus, Meniscus) zwischen den Knochenflächen. Jedes Gelenk wird von einer Gelenkskapsel aus fibrösem Bindegewebe umschlossen, die die Bewegung des Gelenks begrenzt und einen Hohlraum bildet, der die Gelenksschmiere (Synovia) enthält.

Die Muskeln gibt es überall, wo am und im Körper Bewegung stattfindet. Jeder Muskel besteht aus vielen Muskelfasern, die wie Gummibänder nebeneinander liegen. Das ganze Faserbündel wird von einer straffen Bindegewebehülle, der Fascie umschlossen, damit die verschiedenen Bündel als Ganzes arbeiten und aufeinander gleiten können. Am Knochen setzen die Muskeln mit weißem straffen Sehnengewebe an. Manche Muskeln laufen in eine lange strickartige Sehne aus, die von einer Sehnenscheide umgeben ist. Alle diese Muskeln gehören zu der sogenannten willkürlichen Muskulatur, die wir bewusst und willentlich anspannen und entspannen können. Die Art dieser Muskeln ist im histologischen Bild dadurch zu erkennen, dass die einzelnen Muskelfibrillen quergestreift sind.

Außerdem gibt es noch die unwillkürliche Muskulatur, die innere Organe in Bewegung setzt, wie Herz, Darm usw..

Diese Muskeln können wir mit unseren Willen nicht beeinflussen. Sie arbeiten auf Kommando von Nervenzentren. Die Fasern dieser Muskeln sind glatt.

Doch die willkürliche Muskulatur kann unwillkürlich beeinflusst werden z.B. durch Übermüdung, Emotionen. Überhaupt ist das Zusammenspiel zwischen willkürlicher Muskulatur durch Übung und Gewohnheit so automatisch geworden, dass es uns kaum noch zum Bewusstsein kommt, so das wir glauben, die Bewegung beim Gehen und Laufen unwillkürlich auszuführen.

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Das Nervensystem reguliert das Zusammenspiel der vielen Zellen, Gewebe, Organe des menschlichen Körpers. Ein Teil des Nervensystems liegt geschützt in Knochen-Hohlräumen (das Gehirn im Kopf, das Rückenmark in der Wirbelsäule), der andere Teil besteht aus peripheren (im Umkreis liegende) Nerven, die sich überall im Körper verzweigen.

Es gibt zwei Arten von peripheren Nerven. Die sensorischen (Empfindungsnerven)

leiten Impulse (Reize) von den Sinnesorganen zum Gehirn, die motorischen (Bewegungsnerven) leiten Befehle vom Gehirn an die Muskeln. Die Impulse, die in den Nervenfasern fortgeleitet werden, sind schwache elektrische Ströme. Man kann diese Ströme messen (Elektrokardiogramm - Herzströme, Elektromyogramm - Muskelströme, Encephalogramm - Gehirnströme)

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Die Nervenzelle (Neuron)

Der Zellkörper jeder Nervenzelle (Neuron) hat zwei verschiedene Arten von Fortsätzen:

  • Dendriten, winzige Nervenfasern, die wie die Zweige an einem Baumast aussehen.
  • Neuriten,  Nervenfasern, die wie ganz kurz, aber auch beinahe einen Meter lang sein können und von einer schützenden und isolierenden Scheide umgeben sind.

 

Die Dendriten leiten Impulse zum Zellkörper, die Neuriten führen Impulse vom Zellkörper weg. Die Neuronen sind so angeordnet, dass die Neuriten des einen Neurons in Schaltstellen (Ganglien) mit den Dendriten eines anderen Neurons verflochten sind. Sie berühren einander jedoch nicht. Die Lücke zwischen den Verzweigungen heißt Synapse. Wenn ein Impuls sich in einem Nerv fortbewegt, muss er die Synapse zwischen zwei Neuronen überspringen.

Der Zweck der Schaltstellen wir in dem Abschnitt „Reflexe" näher  erläutert werden.

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Das Großhirn (Cerebrum)

Das Großhirn besteht aus zwei Halbkugeln (Hemisphären), die in mehrere Lappen (Stirnlappen, Schläfenlappen usw.) und viele  Furchen und Windungen geteilt sind. Bei dieser Anordnung ist eine große Oberfläche auf kleinstem Raum untergebracht.

Legt man einen Schnitt durch das Großhirn, so sieht man, dass es aus einer äußeren grauen und einer inneren, weißen Schicht besteht. Die graue Schicht enthält die Körper der Nervenzellen, die weiße Schicht die Fortsätze dieser Zellen (Neuriten und Dendriten). Durch das Großhirn werden alle bewussten Handlungen des Menschen geregelt. Es befähigt uns zu denken, zu wollen, uns zu erinnern, Freude, Trauer, Furcht oder Ärger zu empfinden usw.

Alle Wahrnehmungen der Sinnesorgane werden vom Großhirn koordiniert, mit früheren Wahrnehmungen verglichen und gedeutet. Alle Befehle zu sinnvollen Handlungen gehen vom Großhirn aus. Durch Beobachtungen bei Erkrankungen hat man erkannt, dass bestimmte Gebiete der Hirnrinde bestimmte Fähigkeiten und Handlungen regeln. Man spricht daher von Rindenfeldern oder Zentren im Gehirn (Sprachzentrum, Sehzentrum, Hörzentrum usw.).

Das hochentwickelte Gehirn zeichnet den Menschen vor den Tieren aus und macht ihn zum intelligentsten und damit mächtigsten Lebewesen.

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Das Kleinhirn (Cerebellum)

Das Kleinhirn liegt unter dem Hinterhauptlappen des Großhirns und besteht ebenfalls aus grauer (außen) und weißer (innen) Masse. Das Kleinhirn ist das „Zentrum" für die Erhaltung des Körpergewichtes und das Zusammenspiel aller Muskeln. Es befähigt den Menschen, Gewohnheiten zu erlernen und Geschicklichkeiten zu entwickeln. Wenn ein Kind z.B. stehen und gehen lernt, muss es anfangs das Zusammenwirken der verschiedenen Muskeln mühsam vom Großhirn aus steuern. Später besorgt das Kleinhirn die Steuerung unbewusst, wie ein „automatischer Pilot".

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Das verlängerte Mark (Medulla oblongata)

Medulla oblongata (verlängertes Mark) wird der Teil des Gehirns genannt, der in das Rückenmark übergeht. Dieser Teil liegt vielleicht deshalb noch im Schutz der Schädelkapsel, weil er das Zentrum für besonders lebenswichtige Funktionen bildet, nämlich Herztätigkeit, Blutkreislauf und Atmung. Auch das Schlucken wird vom verlängerten Mark aus gesteuert.

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Das Rückenmark (Medulla spinalis)

Das Rückenmark liegt ein einer knöchernen Röhre, die von den Hals-, Brust- und Lendenwirbeln gebildet wird. Es ist wie das Gehirn von drei Häuten geschützt und von Flüssigkeit umgeben. Da diese Flüssigkeit mit der Gehirnflüssigkeit in Ver-bindung steht (Liquor cerebrospinalis), kann man „Liquor" aus dem Rückenmark abzapfen und krankhafte Veränderungen der Gehirnflüssigkeit untersuchen.

Wie das Gehirn besteht auch das Rückenmark aus weißer und grauer Masse, aber im Rückenmark liegt die weiße Masse außen und die graue innen. Zwischen den Wirbeln treten aus dem Rückenmark die dicken Stränge der spinalen Nerven aus, die sich in alle Teile des Rumpfes verzweigen. Jeder dieser Nerven führt sensorische und motorische Fasern.

Die Reize, die von einem sensorischen Neuron z.B. auf der Haut empfangen werden, werden im Rückenmark auf ein anderes Neuron umgeschaltet und in das Gehirn geleitet. Ebenso werden „Befehle" des Gehirns im Rückenmark auf motorische Neuronen umgeschaltet und den Muskeln zugeleitet.

Das Rückenmark ist aber nicht nur ein Leitungsorgan, sondern auch ein Reflexorgan.

Das bedeutet Folgendes:

Wenn man aus Versehen auf einen harten Gegenstand tritt, zuckt das Bein blitzschnell hoch. Diese automatische Bewegung nennt man „Reflexbewegung ". Im Nervensystem spielt sich dabei folgende Vorgänge ab.

Von der Hautstelle die den harten Gegenstand berührte, leiten die sensorischen Nerven den Reiz nicht bis in das Gehirn, sondern nur bis zum Rückenmark und von dort aus setzen motorische Nerven die entsprechenden Muskel in Bewegung.

Die Reflexbögen sind eine Schutzeinrichtung des Körpers. Es würde eine gewisse Zeit dauern, bis die „Information" von der Hautstelle aus das Gehirn erreichen würde, bis sie dort verarbeitet würde, die  Gefahr erkannt wäre, und bis die  Befehle zum Hochziehen des Beines die Muskeln erreichen würde wobei noch die bekannte Schrecksekunde hinzukäme. Auf dem Weg über den Reflexbogen dagegen wird die drohende Gefahr der Verletzung augenblicklich abgewendet.

Es kommt uns gar nicht erst im Großhirn zum Bewusstsein, dass wir den Fuß hochziehen müssen, um uns nicht zu verletzen, sondern der Rückzugsbefehl wird automatisch in den Ganglien geschaltet.

Es gibt viele Reflexbögen im menschlichen Körper und die Umschaltstellen, die Ganglien, liegen nicht nur im Rückenmark.

Genau so wie man unseren Körper anatomisch aufgliedert, ist es bei der Fußreflexzonenmassage auch.

Somit endet die Theorie und wir wenden uns dem praktischen Teil zu.

Es gibt  empfehlenswerte Bücher, wo die Grundlagen und Abbildungen sehr verständlich dargestellt sind.

Über unseren wunderbaren  Körper gibt es unzählige Bücher, die ausführlich jedes einzelne Detail anschaulich darstellen.

Ich möchte Ihnen meine Erkenntnisse von 19 Jahren Erfahrung näher bringen.

Wie fange ich am Besten an?

Die Füße stellen reflektorisch den gesamten Körper dar, das heißt Ihre Füße sollten keinerlei empfindliche Stellen am und im Fuß aufweisen, denn so reizen Sie mit jedem Schritt die Nerven, welche die Muskeln zusammenzucken lassen und irgendwann ist die Muskulatur so verspannt, dass wir uns zeitweise in der Bewegung sehr schwer tun.

Dies sind Signale, die Füße auf ihre Empfindlichkeit hin zu prüfen.

Diese Empfindlichkeiten der Muskeln und Sehnen im Fuß bauen sich langsam auf, sind dann vorhanden und reizen somit die Nerven. Daher ist es von größter Wichtigkeit, dass die Füße davon befreit werden. Jeder Mensch tritt sich so seine Zustände im Laufe von Jahren selbst an.

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Der Blutkreislauf wurde von dem Anatom William Harvey, der 1578 bis 1657, der in London lebte, entdeckt und zum ersten Mal richtig beschrieben. Das war eine der "Großtaten" in der modernen Heilkunde. Um die Bedeutung des Blutkreislaufes zu verstehen, stellen Sie sich bitte vor, dass in einer Großstadt plötzlich das Verkehrs- und Transportsystem zusammenbricht. Jeder einzelne Einwohner würde es spüren, dass er keine Nahrung bekommt und dass die Abfälle sich anhäufen. Genauso ist jede einzelne Zelle im Körper darauf angewiesen, dass das "Transportsystem", das Blut, die Nahrungsstoffe heranführt und verbrauchte Stoffe abführt.

Das Blut tut noch mehr: Es befördert die "Polizeitruppe" des Körpers, die Zellen und die Gegengiftstoffe, die Immunstoffe, die gegen Infektionen schützen, es befördert die "Boten", die Hormone, die Befehle an Organe überbringen und es reguliert den Wärmehaushalt des Körpers.

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Das Blut

Der Körper eines erwachsenen Menschen enthält 5 bis 6 Liter Blut (1/13 des Körpergewichts). Das Blut besteht aus festen Blutkörperchen (Zellen), die in einer Flüssigkeit (Plasma) schwimmen. Das Plasma enthält Serum und Fibrin.

Die Blutkörperchen werden eingeteilt in:

  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten),
  • Blutplättchen (Thrombozyten) und
  • weiße Blutkörperchen (Leukozyten).

In einem Kubikmillimeter Blut (ein kleiner Tropfen) befinden sich ungefähr 5 Millionen rote und 7000 weiße Blutkörperchen. Da beide Zellarten nur eine kurze Lebensdauer haben, muss der Organismus immer wieder riesige Mengen von Blutkörperchen neu bilden. Jede Sekunde ein paar Millionen! Werden zuwenig rote Blutkörperchen gebildet, dann entsteht "Anämie", werden zu viele weiße Blutkörperchen gebildet dann entsteht Leukämie. Mit besonderen Apparaten können die weiß und die roten Blutkörperchen unter einem Mikroskop gezählt werden, und das Verhältnis der beiden Arten gibt wichtige Aufschlüsse für die Diagnose von Krankheiten.

Die roten Blutkörperchen sind die "Transportwagen" für Sauerstoff und Kohlensäure. Mit Sauerstoff beladen fahren sie zu jeder Zelle des Körpers und geben den Sauerstoff, den sie als Verbrennungsenergie braucht. Auf den Rückweg zum Herzen nehmen die roten Blutkörperchen die "Asche" aus den Zellen in Form von Kohlensäure mit. Die mit Kohlensäure beladenen "Wagen" werden vom Herz nicht gleich wieder in den Körperkreislauf geschickt, sondern erst in die Lunge, wo sie die Kohlensäure abgeben und neuen Sauerstoff aufnehmen. Dann kehren sie zum Herzen zurück und werden nun wieder zu den Körperzellen geschickt. Die Substanz in den roten Blutkörperchen, die den chemischen Austausch von Sauerstoff und Kohlensäure besorgt, heißt Hämoglobin.

Die weißen Blutkörperchen treten in verschiedenen Formen auf. Man unterscheidet: mit glattem (nicht-körnigem) Zell-Leib und regelmäßigem Zellkern: Lymphozyten und Monozyten; mit körnigem Zell-Leib und unregelmäßigen Zell-Kern. Diese werden manchmal unter der Bezeichnung Granulozyten  zusammengefasst, meist aber unterscheidet man noch Eosin-Farbstoff annehmende: eosinophile Leukozyten, basische Farbstoffe annehmende: basophile Leukozyten; neutrale Farbstoff annehmende: neutrophile  Leukozyten. Unter dem Mikroskop kann man erkennen, wie viel Prozent von jeder Form der Leukozyten im Blut enthalten sind, und das sogenannte "Differenzial-Blutbild" gibt Hinweise für die Diagnose von Krankheiten. Die Leukozyten sind die Polizeitruppe des Körpers. Sie schwimmen nicht nur im Blutstrom, sondern können sich selbstständig bewegen. Sie dringen durch die Wände der Blutgefäße hindurch, umzingeln Fremdkörper ( z.B. Bakterien) und "fressen" sie. Man nennt das Phagozytose. Die vernichteten Fremdkörper und die im Kampf "gefallenen" Leukozyten bilden den "Eiter".

Thrombozyten sind die Blutplättchen und sind viel kleiner als die Erythrozyten und Leukozyten. Sie bewirken die Blutgerinnung (Koagulation). Wenn ein Blutgefäß zerrissen ist, klumpen sich die Blutplättchen an der Schadstelle zusammen und bilden mit dem im Blutplasma enthaltenen Faserstoff (Fibrin) und Kalksalzen das Blutgerinnsel (Koagulum). Dadurch werden die Gefäßwände abgedichtet und die Blutung hört auf. Es kommt vor , dass ein Blutkoagulum auch innerhalb eines Blutgefäßes ansteht. Solch ein Gerinnsel nennt man einen Thrombus und den ganzen Vorgang Thrombose. Die Thrombose ist ein gefürchtetes Ereignis. Zunächst blockiert der Blutpfropf das Blutgefäß, und bestimmte Gewebegebiete werden von der Blutversorgung abgeschnitten. Der Körper hilft sich dann, indem er das Blut auf andere Bahnen an das Gewebegebiet heranführt. Man sagt dann: es bildet sich  ein Kollateral-Kreislauf aus. Wenn der Kollaterial-Kreislauf nicht schnell genug ausgebildet werden kann, stirbt das unversorgte Gebiet ab und bildet einen "Infarkt". Schlimm ist es auch, wenn Teile des Pfropfen sich losreißen und im Blutstrom mitschwimmen. Der "Embolus" (wie man den Blutpfropfen nennt) kann sich in einem anderen Gefäß festsetzen, das vielleicht ein lebenswichtiges Organ mit Blut zu versorgen hat. Dann kann die "Embolie" schnell zum Tode führen.

In dem Blutplasma sind alle Stoffe enthalten, die die Zellen zur Ernährung und zum Aufbau brauchen: Mineralsalze, Eiweiß, Zucker, Fette usw. Das Plasma bringt diese Stoffe zu den Zellen und nimmt die Abbauprodukte(zum Teil) auf dem Rückweg zum Herzen mit, es enthält dann auch Harnstoffe, Harnsäure und Milchsäure. Außer den Nahrungsstoffen transportiert das Plasma auch die Hormone, die in den "Drüsen mit innerer Sekretion" produziert werden und viele Lebensvorgänge steuern. Ferner schwimmen im Plasma die "Immunkörper". Das sind gewissermaßen Gegengifte gegen Bakteriengifte. Der Körper entwickelt diese Immunstoffe im Allgemeinen erst dann, wenn er gegen Infektionskrankheiten zu kämpfen hat. Der Arzt kann aber die Entwicklung der Immunstoffe veranlassen, indem er dem Patienten tote oder abgeschwächte Bakterien einspritzt. Das ist der Sinn der "Impfung" gegen Pocken, Thyphus, Diphterie, Poliomylitis usw.

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Arterien und Venen

Die Blutgefäße, die frisches Blut vom Herzen in die Gewebe führen, heißen Arterien; die Gefäße, die verbrauchtes Blut aus den Geweben zum Herzen zurückführen, heißen Venen. Da das Herz das Blut in die Arterien hinein "pumpt", müssen diese dickere Wände haben als die Venen, in denen das Blut zum Herzen zurückfließt. In den Wänden der Arterien sitzen Muskeln, die die Blutwelle aktiv vorwärts treiben. In den Venen wird das Blut zum Teil durch "Melkwirkung" der großen Körpermuskeln vorangetrieben, und damit es dabei nicht in die falsche Richtung fließen kann, sitzen in gewissen Abständen "Klappen", die wie Ventile wirken und das Blut nur in eine Richtung durchlassen.

Aus dem Herzen strömt das Blut zunächst in die große Körperschlagader, die Aorta. Von der Aorta zweigen dicke lange Arterien ab, die wie Hauptverbindungsstraßen den Körper durchziehen. Von diesen zweigen kleinere Arterien ab, die sich weiter in Arteriolen verzweigen und diese in mikroskopisch kleine Kapillaren. Diese sind es auch, die jeder einzelnen Zelle Blut zuführen. Dies wiederholt sich - in umgekehrter Richtung - bei den Venen.

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Das Herz

Das Herz (Cor) ist der Motor, die Pumpe, die den Blutkreislauf in Bewegung hält. Eigentlich ist das Herz nicht eine Pumpe sondern zwei Pumpen. Die linke Hälfte des Herzens pumpt frisches Blut in den Körperkreislauf und die rechte Hälfte pumpt verbrauchtes Blut zur Auffrischung in den Lungenkreislauf. Beide Hälften sind durch eine Scheidewand getrennt, rechte Herzkammer, linke Herzkammer. Das verbrauchte Blut kommt durch zwei Hohlvenen (Vena cava) in die rechte Vorkammer, fließt durch ein "Ventil" (Herzklappe) in die rechte Herzkammer und wird von dieser in den Lungenkreislauf gepumpt. Aus der Lunge kehrt das Blut mit Sauerstoff gesättigt durch die Lungenvene in die linke Vorkammer zurück, fließt wieder durch eine Klappe in die linke Herzkammer und wird von dieser durch die Aorta in den Körperkreislauf gepumpt. Diese Vorkammern sammeln also das Blut einen Augenblick das aus dem Körper bzw. das aus den Lungen kommende Blut und drücken es dann in die Herzkammern, von denen es aus dann in den Körper gepumpt wird.

Die Herzklappen sind  Ventile, die es verhindern, dass das Blut bei der Zusammenziehung des Herzmuskels in eine falsche Richtung fließt. Durch die Pumpwirkung des Herzens steht das Blut in den Arterien unter einem gewissen Druck. Dieser ist am höchsten unmittelbar nach dem das Herz sich zusammengezogen hat (Systole) und fällt ab, wenn das Herz einen Augenblick ruht (Diastole). Bei einer Blutdruckmessung werden daher zwei Werte gemessen: der höchste, der systolische Blutdruck (z.B. 120 mm Quecksilbersäule) und der niedrigste, der diastilische Blutdruck (z.B. 80 mm Quecksilbersäule). Man sagt dann: der Blutdruck beträgt 120/80. Wenn nur eine Zahl angegeben wird ist der höchst gemeint. Ein zu hoher Blutdruck ist "schlecht", weil feinwandige Gefäße zerreißen können. Ein zu niederer Blutdruck ist auch schlecht, weil der ganze Kreislauf ins Stocken geraten kann. Wenn der Körper ruht, "schlägt" das Herz im Allgemeinen 60-80mal in der Minute. Mit jedem Herzschlag werden etwa 100 ccm Blut in den Körperkreislauf und 100 ccm in den Lungenkreislauf gepumpt. An einem Tag werden bis zu 12000 Liter Blut durch das Herz gepumpt. Die Zahl der Herzschläge in der Minute, die Pulsfrequenz, erhöht sich, wenn ein Organ arbeitet, z.B. die Muskeln währen einer Anstrengung oder das Verdauungsorgan nach einer Mahlzeit. Das geschieht, damit die Blutzufuhr erhöht wird. Es ist aber kein schlechtes Zeichen, wenn die normale Pulsfrequenz weniger als 60 beträgt. Das kann bedeuten, dass das Herz gut trainiert ist und mit jedem Schlag eine große Blutmenge durch den Körper pumpt. Kein Muskel zieht sich "von selbst" zusammen, er wird vielmehr durch elektrische Reize angeregt, die durch die Nerven zugeführt werden. so wird auch das Herz von Nerven "gesteuert". Im Großen und Ganzen verlangsamt der Vagus-Nerv die Herztätigkeit und der Sympathicus-Nerv beschleunigt sie. Aber tatsächlich ist die Steuerung der Herztätigkeit sehr viel komplizierter. Viele verschiedene Organe und auch innersekretorische Drüsen haben einen Einfluss. So kommt es, dass Störungen der Herzfunktion nicht immer eine direkte Erkrankung des Herzens selbst bedeuten, sondern durch anderweitige Störungen hervorgerufen werden. Mit dem Stethoskop kann man die Tätigkeit des Herzens belauschen, Man hört bei jedem Schlag zwei verschiedene Töne, die durch das Öffnen und Schließen der Herzklappen entstehen (Lub-dub, Pause, Lub-dub, Pause usw.). Aus der Art der Töne und den Neben-geräuschen in den Pausen schließt der Arzt auf verschiedene Störungen. Es ist aber eine große Kunst, die feinen Herztöne richtig zu hören und zu deuten. Deshalb sind viele andere Methoden der Herzuntersuchung entwickelt worden.

Die bekannteste ist die "Elektrokardiographie", bei der die elektrischen "Aktionsströme" des Herzens abgeleitet und aufgezeichnet werden. Eine andere Untersuchungsmethode ist die "Herzkatheterisierung", für deren Entwicklung der Privatarzt Dr. Forstmann den Nobelpreis erhielt. Ein 1 m langer Nylon-Schlauch wird von einer Armvene aus durch die Gefäße hindurch bis zum Herzen eingeführt (unter Röntgenkontrolle).  Durch die heutigen technischen Möglichkeiten wurde vieles verbessert, um noch genaueren Kenntnisse über die Funktion und den Gesundheits-zustand des Herzens zu erlangen.

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Das Lymphsystem

Das Lymphsystem ist kein selbständiges System, sondern gehört zum ganzen System des Blutkreislaufs. Die Lymphe in den Lymphgefäßen kommt aus dem Blutkreislauf und fließt wieder in den Blutkreislauf zurück. Lymphe bildet sich in der Weise, dass Wasser mit allen darin gelösten Stoffen durch die feinen Wände der Kapillaren hindurch in die mikroskopisch feinen Spalten der Gewebe hineinfiltriert wird. Diese Gewebeflüssigkeit umgibt fast jede einzelne Zelle, sie nimmt auch Abbauprodukte der Zelle auf. Die Gewebeflüssigkeit kehrt zum Teil sogleich in die venösen Kapillaren zurück, zum Teil sammelt sie sich in den Lymphgefäßen, die ein ähnliches Netz wie die Arterien und Venen bilden und schließlich in die großen Venen einmünden. In den Lymphgefäßen des Darms werden die aufgenommenen Nährstoffe, insbesondere Fette, dem Blutkreislauf zugeführt. An verschiedenen Stellen der Lymphgefäße sitzen die sogenannten Lymphknoten, in denen sich massenhaft Lymphozyten (Schutz-Polizeitruppe!) befinden. Sie wirken wie Filter, die Bakterien abfangen, die irgendwo  eingedrungen sind. Während der Abwehr einer Infektion schwellen die Lymphknoten an und werden empfindlich.

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Die Milz

Auch die Milz, die in der Bauchhöhle links unterhalb des Zwerchfells liegt, gehört zum System des Blutkreislaufes. In ihr werden Lymphozyten und Monozyten gebildet. Außerdem ist sie eine Art "Blutbank" für den Körper. Sie kann nämlich etwa 1/4 Liter Blut aufspeichern und bei Bedarf schnell den Kreislauf zuführen.

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Das Atemsystem

Das Atmungssystem sorgt dafür, dass jeder einzelnen Zelle Sauerstoff zugeführt wird und dass Kohlensäure und Wasserdampf abtransportiert werden. Dadurch werden die langsamen Verbrennungsprozesse unterhalten, die die Energiequelle für alle Lebensvorgänge sind. Das Atmungssystem bringt aber die Luft bzw. den Sauerstoff nicht direkt an jede einzelne Zelle heran, sondern Atmungssystem und Kreislaufsystem arbeiten in folgender Weise zusammen. Das Atmungssystem bringt die Luft in die Lungen und wieder heraus. In der Lunge findet ein Gasaustausch statt. In den unzähligen feinen Kapillaren tauschen die roten Blutkörperchen die ver-brauchten Kohlensäuregase gegen frischen Sauerstoffgase aus, fließen zum Herzen zurück und werden von diesem zu jeder einzelnen Zelle hingepumpt. Die verbrauchten Gase werden bei jeder Ausatmung weggeschafft. Wenn man vom Atmen spricht, meint man im Allgemeinen nur den Lufttransport in die Lungen, aber da Atmen gleich Gasaustausch ist, besteht die Atmung eigentlich aus drei Teilen:

 

Die Atmung der einzelnen Zelle, der Gastransport im Blut und die Atmung der Lunge. Zellen sterben schnell wenn sie keinen Sauerstoff bekommen und die Kohlensäure nicht loswerden. Empfindliche Gehirnzellen werden schon schwer geschädigt, wenn die Atmung nur wenige Minuten stockt. Deshalb wird man bei Abdrosselung des Atemweges schnell ohnmächtig und deshalb ist es bei allen Unfällen so wichtig, zuerst für Freiheit der Atmungswege zu sorgen bzw. künstliche Beatmung durchzuführen. Auf diesem Wege in die Lungen durchströmt die Luft mehrere Gebilde die näher betrachtet werden müssen.

 

Das Atmen

Das Atmen besteht darin, dass die Lungen aufgebläht werden und wieder zusammenfallen. Das Zwerchfell zieht sich zusammen und steigt dabei herab (Bauchatmung) und der Brustkorb dehnt sich und verengt sich wieder (Brustatmung). Zusammenziehung der Bauchmuskeln verstärkt die Ausatmung. Die Lunge „fasst" bei tiefster Einatmung nach stärkster Ausatmung 2 bis 4 Liter Luft, bei Sportsleuten auch 4,5 Liter und mehr. Ein Teil der Luft bleibt auch bei stärkster Ausatmung in den Lungen zurück (etwa 1 Liter). Infolgedessen wird der Gasaustausch mit dem Blut niemals unterbrochen, und die Lungen werden auch bei eisiger Kälte vor zu starker Abkühlung geschützt.

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Die Nase

Die Nase wird lateinisch nasus oder nares genannt und griechisch rhis, Genitiv rhinos.  Wenn wir uns an der Nase fassen, berühren wir nur den kleineren, außen vorspringenden Teil der Nase. Der größere Teil der Nase liegt innen, über dem Gaumendach. In der Nase wird die eingeatmete Luft erwärmt und angefeuchtet, damit die empfindlichen Gewebe der Lungen nicht durch den dauernden Luftstrom zu stark abgekühlt und ausgetrocknet werden. Außerdem wird die Luft in der Nase durch die Geruchsnerven auf schädliche Beimengungen geprüft, und schließlich werden Staubteilchen usw. aus der Luft herausfiltriert. Alles dies wird dadurch erreicht, dass die Nase keinen glatten Schlauch bildet, sondern vielfach unterteilt ist, so dass die Luft an einer großen Schleimhautfläche vorbeistreichen muss. Eine Scheidewand (Septum), die unten knorpelig, oben knöchern ist, teilt die Nase in einen rechten und einen linken Hohlraum.

In den Hohlraum hinein ragen Vorsprünge, die Nasenmuscheln (Conchae).

Mit dem Nasenhohlraum stehen verschiedene luftgefüllte Hohlräume in den umgebenden Knochen in Verbindung:

Die Stirnhöhle (Sinus frontalis), die Siebbeinzellen (Sinus ehtmoidalis) und der große Hohlraum im Kieferknochen, der Kieferhöhle, Sinus maxillaris oder Antrum Highmori genannt wird.

Die Nasenhöhle ist von der Mundhöhle nur durch die dünne Knochenwand des Gaumendaches (Palatum) getrennt.

Bei angeborenen Missbildungen (Gaumenspalte, Wolfsrachen) besteht eine Verbindung zwischen Mundhöhle und Nasenhöhle, die entweder frühzeitig durch eine Operation oder später durch prothetische Behandlung (Obturator) geschlossen werden muss.

Die Wurzeln der Backenzähne sind ebenfalls nur durch eine dünne Knochenschicht von der Kieferhöhle getrennt. Deshalb kann es bei Extraktionen zu einer Eröffnung der Kieferhöhle kommen. Die hinteren Ausgänge der Nasenhöhle zum Rachen hin heißen „die Choanen". In der Nasenschleimhaut sitzen zahlreiche kleine Drüsen, die ein schleimiges Sekret absondern. Dieses fängt Staubteilchen usw. ab. Wenn die Nasenschleimhaut entzündet ist, fließt das Sekret so stark, dass der „Schnupfen" entsteht.

Die Oberfläche der Nasenschleimhaut wird, ebenso wie die des ganzen Atemweges, von Flimmerepithel gebildet. Durch die flimmernden Bewegungen der feinen Härchen werden Schleim und Staubteilchen nach außen befördert. In der Nasenschleimhaut befinden sich auch die Enden der Geruchsnerven (Fila olfactoria). Wenn man an alle diese Einrichtungen der Nase denkt, die zur „Aufbereitung" der Luft dienen, bevor diese in die Lungen kommt, erkennt man, wie wichtig es ist, durch die Nase und nicht durch den Mund zu atmen.

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Der Rachen

Der Rachen oder Schlund (Pharynx) ist der gemeinsame Weg der Atemluft (von der Nase zur Luftröhre) und der Speisen (vom Mund zur Speiseröhre). Man unterscheidet den oberen, hinter der Nase liegenden Teil (Nasopharynx), den mittleren, hinter dem Munde liegenden Teil (Orapharynx) und den unteren, hinter dem Kehlkopf liegenden Teil. An der hinteren Wand des Nasopharynx liegt die Rachenmandel (Tonsilla pharyngica), rechts und links an den Wänden des Oropharynx liegen die beiden Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae) und dem Zungenrand liegt die Tonsilla linqualis. Alle diese „Mandeln" oder Tonsillen sind lymphatische Körper, die zusammen den „lymphatischen Rachenring" bilden. Wenn sie wuchern (adenoide Wucherungen), kann die Nasenatmung behindert werden, und dann muss eine „Tonsillektomie" ausgeführt werden. Gewöhnlich werden nur die Gaumenmandeln entfernt.

In der Nasopharynx mündet ein Gang, der in das Mittelohr führt (die Ohrtrompete oder Tuba Eustachii). Wenn dieser Gang sich schließt, während größere Höhenunterschiede schnell überwunden werden, entsteht ein Druckgefühl in den Ohren, Im aufsteigenden und landenden Flugzeug werden deshalb Bonbons oder Kaugummi gereicht, damit der Fluggast häufig schluckt, wobei die Tuba Eustachii sich wieder öffnet.

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Der Kehlkopf (Larynx)

Der Kehlkopf (Larynx) ist gewissermaßen das „Vestibül", das  die Luft auf dem Wege vom Rachen in die Luftröhre passiert. Der Kehlkopf ist aus neun Knorpeln zusammengesetzt. Der größte Knorpel heißt Schildknorpel (Cartilago thyreoidea) und wird auch „Adamsapfel" genannt. Er ist bei Männern größer als bei Frauen und auch weniger von Fett bedeckt, deshalb erscheint er stark vorstehend.

Beim Schlucken kann man erkennen, wie der „Adamsapfel" bzw. der ganze Kehlkopf sich hebt und senkt. Das hat einen bestimmten Zweck. Wir haben gesehen, dass der Rachen der gemeinsame Weg der Speisen in die Speiseröhre und der Luft in die Luftröhre bzw. den Kehlkopf ist. Die Luftröhre liegt vorn, wie ein fester, ständig offener „Druckschlauch", die Speiseröhre liegt wie ein schlaffer Schlauch dicht hinter der Luftröhre und dehnt sich erst, wenn ein Bissen hindurchgleitet.  Es muss nun verhindert werden, dass Speisen auch in die Luftröhre gelangen und das geschieht folgendermaßen:

 

Einer der Knorpel des Larynx ist beweglich und kann sich wie ein Deckel über den Eingang des Kehlkopfes legen. Dieser Knorpel heißt „Epiglottis". Der ganze Kehlkopf ist etwas beweglich, weil er an dem Zungenbein (Os hyoideum) und dieses wieder an der Zungen (Lingua) gewissermaßen „aufgehängt" ist. Gewisse Muskeln können den Kehlkopf anheben, dabei drückt der Zungengrund auf den Epiglottis, den Kehl-kopfdeckel, dieser schließt sich und die Speisen können in die Speiseröhre gleiten. Wenn dieser Mechanismus nicht richtig funktioniert „verschlucken" wir uns.

Quer durch den Kehlkopf verlaufen die Stimmbänder (Chordae vocales), zwischen den sich die Stimmritze befindet. Die Stimmbänder  werden von der hindurch-strömenden Luft in Schwingungen versetzt, und je nachdem ob die Bänder straffer gespannt oder schlaffer gelassen werden, entsteht ein höherer oder tieferer Ton.

Die Luftröhre (Trachea) ist ein Schlauch, der die Luft vom Kehlkopf in die Lungen leitet und stets offen sein muss. Deshalb ist der Schlauch von Knorpelringen umgeben. Die Knorpelringe kann man vorn am Hals über dem Brustbein fühlen, und mit genügend Kraftaufwand kann man sie auch zusammendrücken. Dann tritt in wenigen Minuten Tod durch Ersticken ein.

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Die Luftröhre

Die Luftröhre teilt sich in den rechten und linken Bronchus, die in die rechte und linke Lunge führen, und diese verzweigen sich weiter in kleinere Bronchien und Bronchiolen, die in den Lungenbläschen (Aleveoli) enden. Jedes Lungenbläschen ist mit einem Netz von Kapillaren umsponnen, und hier findet der Gasaustausch zwischen der Atemluft und den roten Blutkörperchen statt. Durch die feine Verästelung der Bronchien und der Lungenbläschen entsteht eine riesig vergrößerte Oberfläche für den Gasaustausch. Diese Oberfläche ist fünfundzwanzig Mal größer als die ganze Hautoberfläche, ungefähr so groß wie die Bodenfläche eines sehr großen Zimmers.

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Die Lungen (Pulmones)

Das lockere Lungengewebe, das man beim Aufschneiden einer Tierlunge sieht, wird von den Millionen der oben erwähnten luftgefüllten Lungenbläschen gebildet. Die Bronchien teilen sich so auf, dass rechts drei und links zwei voneinander unab-hängige Lungenlappen entstehen. Der Mensch kann daher auch bei Zerstörung eines Teiles der Lunge weiterleben. Die Lunge ist ein ziemlich großes Organ, sie füllt den ganzen Brustkorb aus. Außer der Lunge liegen im Brustkorb nur noch das Herz und das Mediastinum, ein Beutel, der die durchlaufende Speiseröhre, die Luftröhre, die Thymusdrüse sowie Nerven und Gefäße enthält. (Auch das Herz liegt im Mediastinum). Die oberen Spitzen der Lungen überragen das Schlüsselbein (Clavicula ), der untere Teil liegt auf dem Zwerchfell (Diaphragma), einer Muskelschicht, die die Brusthöhle von der Bauchhöhle trennt.  Die Lungen sind von einem Hautsack, der Pleura, umgeben, die wie ein eingedellter Gummiball teils die Lungen selbst (Lungenfell), teils die Innenflächen des Brustkorbs (Rippenfell) überzieht. Zwischen den beiden Pleuraschichten befindet sich ein Hohlraum, der mit wenig Flüssigkeit gefüllt ist, so dass die beiden Blätter leicht aufeinander gleiten können.

Wenn die Pleura sich entzündet (Pleuritis), wird das Atmen schmerzhaft.

Im Ruhestand ist der Luftdruck im Brustkorb zwischen den Pleurablättern niedriger als der äußere Luftdruck. Das muss bei Operationen beachtet werden. Wenn die Pleura eröffnet wird, fällt die Lunge zusammen. Bei Lungenerkrankungen wird der Brustkorb manchmal absichtlich eröffnet (Pneumothorax), um einen Teil der Lungen zur Ausheilung stillzulegen.

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Das Verdauungssystem

Bevor wir die einzelnen Teile des Verdauungssystems betrachten, müssen wir erörtern, was „Verdauung" eigentlich bedeutet und wie sie zustande kommt.

In jeder einzelnen Zelle des menschlichen Körpers findet ständig ein Stoffwechsel statt, das heißt:

Neue Stoffe werden zugeführt und teils zum Aufbau von neuen Geweben verwendet, teils zur Energiegewinnung „verbrannt", und die verbrauchten Stoffe werden ausgeschieden. Um diesen Stoffwechsel zu unterhalten, müssen wir ständig „Nahrung" zu uns nehmen.

Aber die Nahrungsmittel können in der Form, in der wie sie zu uns nehmen, nicht jede einzelne Zelle erreichen. Sie müssen so zerkleinert und „aufbereitet" werden, dass sie im Blutstrom schwimmen und an jede einzelne Zelle herangeführt werden können. Diese Aufbereitung der Nahrungsmittel und die Abfuhr der Abfallstoffe nennen wir „Verdauung".

Die Verdauung geschieht teils auf mechanischem, teils auf chemischem Wegen.

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Der mechanische Teil der Verdauung

Die Zähne zerschneiden und zermahlen die Nahrungsmittel, die Zunge schiebt sie immer wieder zwischen die Zahnreihen und schleudert sich schließlich in den Schlund und die Speiseröhre hinab. Durch wellenförmige Bewegungen der Speiseröhre wird der Bissen oder Schluck in den Magen befördert und dort von der Magenmuskulatur kräftig durchgewalkt. Von Zeit zu Zeit werden Portionen des Speisebreis (Chylus) in die Därme gedrängt und dort durch wurmartige  „peristaltische" Bewegungen der Därme weiterbefördert, bis die Abfallstoffe aus dem After heraustreten.

Das gute Durchkauen der Nahrungsmittel wird im Allgemeinen für sehr wichtig gehalten. Man sagt „Gut gekaut ist halb verdaut", und die Methode des „Fletscherns" (nach dem Zahnarzt Fletscher) besteht darin, jeden Bissen mindestens dreißig Mal zu kauen. Neuerdings zweifelt man aber, ob das Kauen wirklich so wichtig ist. Es gibt ja zahnlose alte Leute, die nicht kauen, sondern nur „mummeln" können und trotz-dem gut ernährt und gesund sind. Der englische Zahnarzt Farrel führte interessante Untersuchungen durch. Er packte Stückchen von verschiedenen Nahrungsmitteln in kleine Gazebeutel. Gleich große Stücke ließ er zerkauen und packte sie ebenfalls in Gazebeutel. Beide Beutel wurden zusammengebunden, verschluckt und aus dem Kot wieder gewonnen und untersucht. Dabei zeigte sich, dass die meisten Nahrungsmittel gleich gut verdaut wurden, wenn sie gekaut oder nicht gekaut worden waren. Aus diesen Untersuchungen kann man schließen, dass die chemische Verdauung der Nahrungsmittel weit wichtiger ist als die Zerkleinerung durch die Zähne. Das ist für die Zahnärzte sehr beruhigend, denn mit prothetischen Arbeiten, insbesondere mit totalen Prothesen, kann niemals die Kaufähigkeit eines natürlichen Gebisses erreicht werden.

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Der chemische Teil der Verdauung

Der chemische Teil der Verdauung der Nahrungsmittel geschieht durch „Säfte", das heißt Flüssigkeiten, die teils selbst im Magen erzeugt werden, teils in besonderen, großen Drüsen (Speicheldrüse, Bauchspeicheldrüse, Leber) erzeugt und dem Magen und den Därmen zugeleitet werden.

Die wichtigsten Bestandteile in den Säften sind Enzyme oder Fermente (beide Bezeichnungen bedeuten das gleiche). Mann nennt die Enzyme auch „organische Katalysatoren" und meint damit Folgendes:

In der Chemie ist ein „Katalysator" bekanntlich ein Stoff, der durch sein bloßes Vorhandensein eine chemische Reaktion beschleunigt, aber selbst unverändert aus dem Vorgang hervorgeht. So wirken auch die Enzyme bei der chemischen Verdauung der Nahrung. Es gibt viele verschiedene Enzyme und jedes übt eine bestimmte Wirkung auf einen bestimmten Stoff aus.

Die Enzyme spielen sowohl bei der Verdauung als auch beim Stoffwechsel innerhalb der einzelnen Zellen eine große Rolle.

Man sagt sogar, dass das „Leben" ein geordnetes Wechselspiel von Hunderten von Enzymen ist.

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Der Mund

Im Munde beginnt die Verdauung mit der Zerkleinerung und Einspeichelung der Nahrung. Wenn wir die Lippen geschlossen und die Zähne zusammengebissen haben, ist der Mund durch die Zahnreihen in den engen spaltförmigen Mundvorhof (Vestibulum oris) und die weite Mundhöhle (Cavum oris) abgeteilt. Bei weit geöffnetem Mund sehen wir die Gebilde der Mundhöhle. Nach oben ist die Mundhöhle vom Gaumendach (Palatum) begrenzt. Im vorderen Teil des Gaumendaches liegt die Schleimhaut auf einer harten Knochenplatte (harter Gaumen, Palatum durum). Dieser Teil trägt die Gaumenfalten (Rugae palatinae). Die Mittellinie (Raphe mediana) kann verdickt sein und einen für den Prothetiker unangenehmen Knochenwulst, den Torus palatinus, bilden. Der hintere Teil des Gaumendaches liegt nicht auf Knochen, sondern ist weich und frei beweglich (Gaumensegel, Palatum molle), er endet in dem „Zäpfchen" (Uvula). Beim Schlucken hebt sich das Gaumensegel und versperrt dadurch den Speisen den Weg in den oberen Teil des Rachens (Nasopharynx) und die Nase.

Berührung des Gaumensegels löst einen Würgereiz aus, daher darf der Rand der Platte einer oberen Prothese nur bis an die Grenze zwischen hartem und weichem Gaumen reichen. Die Grenzlinie ist deutlich zu erkennen, wenn der Patient den Mund weit öffnet und „Ah" spricht, daher nennt man die Grenzlinie auch „Ah-Linie". Nach unten zu setzt sich die Schleimhaut des weichen Gaumens in zwei Falten, dem hinteren und dem vorderen Gaumenbogen (Arcus pharyngopalatinus und Arcus glossopalatinus) fort. Zwischen beiden Gaumenbögen liegt die Gaumenmandel (Tonsilla palatina).

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Die Zunge

Die Zunge ist  - grob gesagt:

  • a) ein Muskelbündel,
  • b) ein Sinnesorgan.

 

Als Muskelbündel hilft sie bei der Zerkleinerung der Speisen mit, indem sie die Bissen zwischen die Zahnreihen schiebt, verteilt, umwälzt und schließlich in den Schlund schleudert. Außerdem wirkt sie durch Stellungsveränderungen bei der Lautbildung mit.

Als Sinnesorgan prüft die Zunge die Nahrungsmittel auf Geschmack, Konsistenz und Temperatur. Die Zunge ist ein außergewöhnlich frei bewegliches Muskelbündel. Sie „hängt" durch den Musculus styloglossus an dem Griffelfortsatz des Schläfenbeines (Anheben), sie ist mit dem beweglichen Unterkiefer durch den Musculus genioglossus verbunden (Vorstrecken) und schließlich mit dem ebenfalls beweglichen Zungenbein durch den Musculus myoglossus (Zurückziehen). Außerdem verlaufen in der Zunge selbst zahlreiche Muskelbündel, die willkürliche Gestaltveränderungen (Rollen, Spitzen, Ausbreiten) ermöglichen.

Infolge der großen Beweglichkeit des Muskelbündels „Zunge" können wir nicht mit geöffnetem Mund schlucken. Wir müssen die Zahnreihen zusammenbeißen, um die Zunge abzustützen. Man kann die Abstützung allerdings auch erreichen, indem man die Zunge zwischen die Zahnreihen schiebt und dann schluckt.

Aber wenn Kinder sich dieses „falsche" Schlucken angewöhnt haben, sind Stellungsanomalien der Zähne die Folge, und die Kinder müssen später kieferorthopädisch behandelt werden. Auch wenn nicht gegessen wird, „spielt" die Zunge dauernd an den Zahnflächen und übt eine reinigende Wirkung aus. Daher bleiben die Zahnflächen, die von der Zunge berührt werden, meist kariesfrei. Auf der Oberfläche der Zunge sitzen zahllose, verschieden geformte Wärzchen (Papilae filiformes, funiformes, circumvallatae und foliatae), die den Geschmack vermitteln. Mit der Zunge können wir aber nur vier Geschmacksqualitäten empfinden: süß, sauer, salzig und bitter. Alles Übrige, was wir als „Geschmack" bezeichnen, sind Gerüche, die die Nase vermittelt, die ja mit der Mundhöhle durch den Nasopharynx in Verbindung steht. Die Zunge prüft die Nahrungsmittel aber nicht nur mit dem Geschmacksinn, sondern auch mit dem Temperatursinn, dem Schmerzsinn und dem Tastsinn. Dass wir durch den Temperatursinn gewarnt werden, zu heiße oder zu kalte Speisen zu uns zu nehmen, und dass der Schmerzsinn warnt, bedarf wohl keiner Erklärung. Etwas schwieriger ist die Bedeutung des Tastsinnes zu verstehen.

Die Nervenenden, die das Tastgefühl vermitteln, sitzen verschieden dicht verteilt. Man kann das prüfen, indem man die Haut gleichzeitig mit zwei scharfen Zirkelspitzen berührt, den Abstand der Spitzen verringert und die Versuchsperson sagen lässt, wann sie beide Spitzen nur als einen einzigen Punkt fühlt.  Auf der Zunge beträgt diese „Zwei-Punkte-Sensibilität" nur 1,4 mm während sie auf den Fingerspitzen 2,0 mm und auf der Haut des Nackens sogar 36,2 mm beträgt. Das bedeutet, dass wir mit der Zunge ein feineres Tastgefühl haben als mit den Fingern. Das gleiche gilt übrigens für das Tastgefühl mit den Zahnreihen. So ist es zu erklären, dass uns im Munde alles sozusagen „vergrößert" erscheint. Eine kleinere Kavität in einem Zahn fühlt sich beim Prüfen mit der Zunge „riesengroß" an, eine Stecknadel zwischen den Zähnen fühlt sich wie ein dicker Nagel an usw.

Dieses vergrößernde Gefühl bedeutet eine große Schwierigkeit für die konservierende und prothetische Zahnheilkunde. Der Zahnarzt gibt sich große Mühe bei Füllungen und bei prothetischen Arbeiten alle Artikulationsstörungen (vorzeitige Kontakte und Gleithindernisse) auszuschalten. Aber der Patient „fühlt" feinere Störungen, als der Zahnarzt sie erkennen kann. Auch die feinste, zwar gefühlte, aber mit dem Blaupapier usw. nicht mehr erkennbare Störung kann exzessive  kompensatorische Parafunktionen auslösen und damit Autodestruktionsvorgänge einleiten. Die Sinnesempfindungen in der Mundhöhle ermöglichen es, Gegenstände zu erkennen, ohne sie zu sehen. Wenn man z.B. mit geschlossenen Augen eine „Murmel" (kleine Steinkugel, mit der Kinder spielen) in den Mund steckt, fühlt man, dass es sich um eine Murmel handelt. Diese „blinde" Erkennung von Körpern nennt man „Stereognosis". Wenn Kleinkinder einen ihnen unbekannten Gegenstand in den Mund stecken, so wenden sie Stereognosis an. Wenn Patienten Prothesen bekommen, die das Gaumendach bedecken, so klagen sie manchmal über die Beeinträchtigung des Geschmacks. Aus den Darstellungen in diesem Kapitel geht hervor, was an dieser Behauptung falsch und was richtig ist. Die eigentlichen Geschmacksempfindungen (süß, sauer, salzig und bitter) werden auf dem Zungenrücken wahrgenommen und Gerüche der Speise in der Nase. Beide werden von der Prothese nicht beeinträchtigt. Bei älteren Kautschukprothesen war die Oberfläche porös und nahm einen säuerlichen Geschmack an, wodurch der  Geschmack von Speisen beeinträchtigt wurde. Aber die modernen Prothese-werkstoffe (Kunststoff, Chrom-Kobaltlegierungen und Gold) haben keinen Eigengeschmack. Der Geschmack des Patienten wird also in keiner Weise beeinträchtigt.

Mehr oder weniger beeinträchtigt wird aber

  1. die Temperaturempfindlichkeit bei Bedeckung des Gaumendaches mit einer Kunststoffplatte,
  2. die Stereognosis, weil die Tastempfindung des Gaumendaches im Zusammenspiel mit der Tastempfindung der Zunge durch die Bedeckung mit der Platte ausfällt.

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Die Speicheldrüsen

Die Speicheldrüse wird von drei Drüsenpaaren gebildet. Die größte Speicheldrüse die Ohrenspeicheldrüse (Parotis), liegt direkt und unter vor dem Ohr. Von dieser Drüse aus fließt der Speichel durch einen Ausführungsgang den Ductus parotideus, in die Mundhöhle. Die Mündung des Ductus liegt in der Wangenschleimhaut gegenüber dem zweiten oberen Molar. Auf der Innenseite des Unterkiefers liegen zwei kleinere Speicheldrüsen: weitere vorne die Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) und weiter hinten die Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis, auch Submaxilaris genannt). Beide Drüsen haben einen gemeinsamen Ausführungsgang den Ductus Bartholini oder Whartoni, der unter der Zunge nicht weit von der Mittellinie des Unterkiefers mündet.  All diese Drüsen zusammen produzieren täglich ungefähr 1,5 Liter Speichel, aber nicht gleichmäßig, sondern in verschiedenen Mengen und Zusammensetzungen. In der Ruhe sickert der Speichel nur tropfenweise in die Mündhöhle, beim Essen fließt er reichlich. Dabei verändert sich die Zusammensetzung je nach der Art der Speisen. Bei sauren Speisen fließt mehr dünnflüssiger, leicht alkalischer Speichel aus der Parotis, bei alkalischen Spesen fließt mehr dickflüssiger, schleimiger, leicht saurer Speichel aus den Drüsen am Unterkiefer. Der reichliche Speichelfluss beginnt nicht erst bei der Einführung der Speisen in den Mund, sondern schon vorher, beim Anblick oder beim Denken an appetitlichen Speisen. Der Speichel erfüllt mehrere verschiedene Aufgaben:

  1. Er löst gewisse Stoffe in den Nahrungsmitteln auf und ermöglicht dadurch das Schmecken
  2. Er macht die Speisen schlüpfrig. Trockene Speisen kann man kaum schlucken, bevor sie eingespeichelt sind.
  3. Er wirkt bei der Verdauung mit. Er enthält nämlich das Enzym (Ferment) Ptyalin, das Stärke in Zucker (Maltose) verwandelt
  4. Er hilft bei der Reinigung der Zähne und der Mundhöhle. Geringer Speichelfluss verstärkt die Kariesfälligkeit.
  5. Er hilft bei der Ausscheidung schädlicher Stoffe aus dem Körper, Quecksilber und andere metallische Gifte erzeugen starken Speichelfluss, und die Metalle lagern sich am Zahnfleischsaum ab.
  6. Er hat eine, wenn auch nur geringe bakterientötende (bakterizide) Wirkung.
  7. Er hilft mit bei der Regulierung des Flüssigkeitsbedarfs des Körpers (Durstgefühl bei trockenem Mund).

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Die Speiseröhren (Ösophagus)

Die Speiseröhre liegt als schlaffer Schlauch dicht hinter der von Knorpelringen umgebende Luftröhre (Trachea), durchbricht das Zwerchfell (Diaphragma) und mündet in den Magen. In den Wänden der Speiseröhre befinden sich Museklbündel, die durch fortschreitende Kontraktion den Bissen vom Schlund in den Magen befördern.

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Der Magen

Der Magen liegt dicht unter dem Zwerchfell und bildet ein Reservoir, in dem der Speisebrei zunächst gespeichert und dann Portionsweise in die Därme befördert wird. Er hat ein Gesamtfassungsvermögen von ca. 2,5 Litern. Der untere Ausgang des Magens (in den Zwölffingerdarm) ist durch einen Ring-Muskel (Pylorus=Pförtner) verschlossen, der sich von Zeit zu Zeit öffnet und den Speisebrei in die Därme fließen läßt. Beim Erbrechen und Aufstoßen wird der Wiederstand dieses Muskels überwunden.Auch der obere Mageneingang (von der Speiseröhre) ist mit einem Ringmuskel (Cardia) versehen, er verhindert, dass der Speisebrei nach oben in die Speiseröhre gedrängt wird.

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Die Därme

Die Därme bilden einen 9 m langen Schlauch, der in vielen Windungen in der Bauchhöhle liegt. und wird vom "Gekröse" (Mesenterium) festgehalten. Das Gekröse ermöglicht den Därmen wurmartige Bewegungen (peristaltische Bewegungen), durch die der Speisebrei (Chylus) weiterbefördert wird, und es versorgt die Därme mit den zuführenden und  abführenden Blut- und Lymphgefäßen. Man teilt den ganzen Darmschlauch in zwei große Abschnitte und diese wieder in kleinere Abschnitte ein,

nämlich: Dünndarm (Intestinum tenue) 1.Zwölffingerdarm (Duodenum), 2.Leerdarm (Jejunum), 3.Krummdarm (Ileum). Dickdarm (Intestinum crassum); 1.Blinddarm (Caecum) mit Wurmfortsatz (Appendix), 2.Grimmdarm (Colon), 3.Mastdarm (Rectum), die verschiedenen Funktionen dieser Teile sollen in Folgendem erörtert werden.

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Der Dünndarm

Der Dünndarm wird so genannt weil seine Wände bedrächtlich dünner sind als des Dickdarms und weil sein Inhalt (Speisebrei) dünner ist als der Innhalt des Dickdarms. Im Dünndarm werden die Speisen endgültig chemisch verdaut, und die Nährstoffe werden in den Blutkreislauf überführt (absorbiert). Der an den Magen grenzende Teil des Dünndarms, der Zwölffingerdarm (Duodenum), ist etwa so lang wie zwölf Finger breit sind. In ihm wird der Speisebrei mit Galle und mit dem Sekret der Bauch-speicheldrüse (Pankreas) vermischt.

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Die Galle ist für die Verdauung von Fetten wichtig. Sie enthält kein Ferment (Enzym), sondern löst nur die Fette in kleine Tröpfchen auf, die dann von Enzymen (Lipase, Steapsin) chemisch verändert werden. Die Galle wird von der Leber erzeugt (täglich etwa 1,5 Liter) und teils direkt in das Duodenum geleitet, teils in der Gallenblase aufgespeichert und bei Bedarf in das Duodenum entleert. Die grüne Farbe von der Galle kommt von den Farbstoffen Bilirubin und Biliverdin;

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Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

Liegt dicht hinter dem Magen in der Krümmung des Duodenum. Sie ist etwa 

15 cm lang und erzeugt täglich etwa 1 ½ Liter Bauchspeichel. Dieser enthält das Ferment Trypsin, das bei dem Abbau von Eiweißstoffen mitwirkt

 

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Dickdarm

Der Dünndarm mündet von der Seite her in den Dickdarm. Dadurch entsteht ein sackartiges "blindes" Ende in diesem Teil des Dickdarms, das dem ganzen Teil den Namen "Blinddarm" gibt. An dem blinden Ende hängt der Wurmfortsatz (Appendix). Welchen Zweck dieses kleine Organ erfüllt, ist nicht genau bekannt, es ist jedoch berüchtigt, weil es sich entzündet (Blinddarmentzündung). Wenn die eitrige Entzündung in die Bauchhöhle durchbricht, entsteht Lebensgefahr. Ein Kennzeichen für Blinddarmentzündung ist Druckempfindlichkeit im Mac Burnay`schen Punkt, der auf der rechten Bauchseite 5 cm vom oberen Rand des Beckenknochens entfernt auf der Linie zum Nabel liegt. Ohne scharfen Übergang setzt sich der Blindarm in den Grimmdarm (Colon) fort, der in Windungen die Bauchhöhle durchzieht und schließlich in den Mastdarm (Rektum) übergeht. Im ganzen Dickdarm werden keine Verdauungssäfte ausgeschieden und keine Nährstoffe resorbiert. Vielmehr wird den Resten der Nahrungsmittel, die der Körper nicht verwerten kann, Wasser entzogen und sie werden eingedickt. Dabei spielen Bakterien eine Rolle, die eine Fäulnis des Darminhaltes bewirken. Der eingedickte Kot sammelt sich im Mastdarm und wird von Zeit zu Zeit durch den After (Anus) ausgeschieden. Die Öffnung des Afters ist durch Schließmusklen (Spincter) abgeriegelt, hat einen Durchmesser von etwa sechs Zentimetern und ist ungefähr 1,5 Meter lang. Er dient dazu, dem Darminhalt das Wasser zu entziehen. Millionen von Coli-Keimen im Dickdarm sind an der Verdauung und Synthese von bestimmten Nahrungssubstanzen beteiligt. Diese Funktion bewirkt auch die Bildung von Gasen und damit Geruchsbildung. Der Mensch stößt pro Tag etwa einen halben Liter Darmgase aus.

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Harnsystem

Das Harnwegsystem dient zur Ausscheidung von überflüssigem Wasser, wasserlöslichen Abfallstoffen und Giften. Dabei sorgt es für eine stets gleichmäßige Zusammensetzung des Blutes (Homoeostasis). Die Organe des Harnsystems sind die Nieren (lat. ren, griechisch nephros), die Harnleiter (Ureter) und die Harnblase (Vesica urinaris). Die Nieren sind zwei bräunliche, etwa 10 cm große Körper, die dicht unter dem Zwerchfell an der hinteren Wand der Bauchhöhle liegen. Sie sind von einer dicken Fettschicht umgeben und geschützt.

In der Rindenschicht der Nieren befinden sich 1 Million mikroskopisch kleiner „Nierenkörperchen", die Knäule (Glomeruli) von Kapillaren enthalten. In dem ausgedehnten Geflecht von feinsten Haargefäßen, das täglich von mehr als 1000 Liter Blut durchflossen wird, geschieht die Filterung der wasserlöslichen Stoffe aus dem Blut. Das gereinigte Blut kehrt in den Kreislauf zurück und das überflüssige Wasser und die Abfallstoffe fließen als Harn (urea) in die Harnkanälchen. Damit ist die Harnbildung aber noch nicht beendet. In dem ersten, gewundenen Teil der Harnkanälchen (Henlesche Schleife) wird nämlich ein Teil des Wassers und der gelösten Stoffe wieder "reabsorbiert" und in den Kreislauf zurückgeleitet. Hierbei wirken die Zellen der Harnkanälchengewebe aktiv mit, indem sie sehr fein prüfen und wählen, was ausgeschieden und was in den Blutkreislauf zurückgeführt werden soll. Aus den 1000 Liter Blut, die täglich durch die Nieren fließen, werden etwa 170 Liter in den Nierenkörperchen abgesondert. Davon wird in dem oberen Teil der Harnkanälchen so viel zurückgefiltert, dass täglich im ganzen nur 1 bis 2 Liter Harn (Urin) durch den Harnleiter in die Harnblase geleitet und dann von Zeit zu Zeit ausgeschieden werden. Aus der Kompliziertheit der Vorgänge im Harnsystem erklärt es sich, wie wichtig es ist Wasser zu trinken.

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Blase

Die Harnblase ist ein muskuläres, von Schleimhaut ausgekleidetes Hohlorgan und hat die Funktion, den Harn (Urin), der von der Niere über die Harnleiter in die Blase kommt zu sammeln und von Zeit zu Zeit über die Harnröhre auszuscheiden. Die Harnblase befindet sich hinter dem Schambein im kleinen Becken, die Harnröhre der Frau ist ca. 4-5 cm und mündet im Scheidenvorhof, beim Mann ist die Harnröhre ca 20cm. geht durch die Prostata und Penis.

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Die Haut als Organ - ohne Bild

Die Haut ist ein Organ, wie alle anderen Organe oder Systeme des menschlichen Körpers. Sie ist ein großes Organ (1,5 m²), von verschiedenen Gebilden und sie greift in die verschiedensten Funktionen des Körpers ein.

In der Haut unterscheidet man drei Schichten:

  • Oberhaut
  • Lederhaut
  • Unterhaut.

 

Die Oberhaut (Epidermis) besteht aus Epithelgewebe in vielen Schichten. In den untersten Schichten erneuern sich die Epithelzellen ständig und drängen an die Oberfläche. In den oberen Schichten verhornen die Zellen und von der Oberfläche werden die verhornten Zellen ständig abgestoßen (Schuppen). Die Dicke der Oberhaut ist sehr verschieden: Auf den Augenlidern und den Ohrenmuscheln ist sie so dünn, dass die Blutgefäße durchscheinen; an stark beanspruchten Stellen z.B. an den Fußsohlen ist sie sehr dick und bei starken Reizen bilden sich hornige „Schwielen".

Ein Hühnerauge ist eine durch ständigen Druck des Schuhwerks entstandene Verdickung der Oberhaut.

An dieser Stellen können wir einmal vom Thema abschweifen und am Beispiel der Oberhaut auf einen wichtigen Unterschied zwischen natürlichen und künstlichen bzw. technischen Gebilden hinweisen. Schuhsohlen, ganz gleich aus welchem Material, werden abgelaufen und durchgewetzt.

Barfuß dagegen kann man sein ganzes Leben lang laufen, weil die Oberhaut der Fußsohlen sich ständig erneuert und immer dicker wird je mehr man sie beansprucht.

Diese Fähigkeit der ständigen Erneuerung und Anpassung ist allen Teilen des Körpers zu eigen, und dadurch unterscheidet sich der lebendige Organismus von einer toten Maschine.

Das dichte Gefüge der Epithelzellen schützt den Körper gegen mechanische und chemische Einflüsse und gegen das Eindringen von Bakterien.

Die Lederhaut (Corium) besteht aus Bindegewebe mit elastischen Fasern, ihre obere Schicht grenzt an die Oberhaut nicht in gerader Linie, sondern in parallelen Reihen von Zacken oder Erhebungen, die Papillen genannt werden. Die Papillen sind auf der Haut als feine Rillen und Linien zu erkennen. Da die Papillenlinien bei allen Menschen verschieden angeordnet sind, und die Oberhaut immer wieder in der Form der Papillen nachwächst, sind „Fingerabdrücke" ein untrügliches Mittel zur Identifizierung. Die elastischen Fasern in der Lederhaut und ihre zapfenartige Verbindung mit der Oberhaut (Papillen) machen die ganze Haut reißfest und nachgiebig. Die entsprechende Hautschicht von Tieren wird zu Leder verarbeitet und davon leitet sich die Bezeichnung „Lederhaut" ab.

Die Unterhaut (Subcutis) besteht vorwiegend aus Fettzellen. Durch diese Schicht wird die ganze Haut stark verschieblich. Das Fettgewebe ist verschieden dick und kann an manchen Körperstellen (Bauch, Gesäß) richtige Polster bilden. Die Polsterschicht mildert Stoß- und Druckbelastungen und bildet auch einen Kälteschutz für den Körper.

Das Haar (Pilum)

Das Haar ist eine lange enge Röhre, die mit der Wurzel in einer Einsenkung der Oberhaut steckt. Das untere Ende der Haarwurzel (Folikel) ist zwiebelartig verdickt und liegt einem kleinen Höcker in der Lederhaut, dem Haarkeim oder der Haarpapille, auf. Ähnlich wie in der Epithelschicht der Oberhaut entstehen im Haarkeim ständig neue Zellen, die verhornen und sich nach oben schieben. Wird das Haar ausgerissen, so bildet es sich wieder neu, solange der Haarkeim nicht abgestorben ist. Durch einen kleinen Muskel, der an der Haarwurzel ansetzt, kann jedes Haar sich aufrichten.

Talgdrüse (Glandulae sebaceae)

Zu jedem Haar gehört eine Talgdrüse. Durch den Talg wird das Haar und die Haut „eingesalbt" und geschmeidig erhalten. Verstopfen sich die Ausführungsgänge der Talgdrüsen, so bilden sich die so genannten „Mitesser".

Schweißdrüsen (Glandulae sudoriferae)

Die zahlreichen Schweißdrüsen, die in der Haut liegen, münden in die kleinen Öffnungen, die man Hautporen nennt. Jede Schweißdrüse ist winzig klein, aber die Drüsen sind so zahlreich, dass täglich ca. 1,5 Liter Schweiß produziert wird, bei Anstrengung und Hitze bedeutend mehr. Der Schweiß besteht zum größten Teil aus Wasser, er enthält aber auch Stoffwechselprodukte.

Daher gehört die Haut auch zu den Ausscheidungsorganen.

Der Geruch von Schweiß wird unangenehm, wenn die Ausscheidungsprodukte sich durch Bakterieneinwirkung zersetzen.

Regulierung der Körperwärme:

Die Haut ist sozusagen das ausführende Organ, das dafür sorgt, dass die Körpertemperatur stets nicht höher und nicht niedriger als um 36 Grad liegt. Der „Thermostat", der die Körperwärme reguliert, liegt im Zwischenhirn (Hypothalamus).

Die Haut als Sinnesorgan ist nicht nur Schutzhülle, Regler des Wärmeausgleichs  und Teilglied im Stoffwechselprozess, sondern auch ein Organ für wichtige Sinne, nämlich

  • - Druck- oder Tastsinn,
  • - Wärmesinn
  • - Kältesinn und
  • - Schmerzsinn.

Alle diese Empfindungen werden durch feine, in der Haut liegende verschieden geformte Nervenenden vermittelt.

Schleimhaut (Mucosa)

Wie die Außenfläche des Körpers mit Haut, so sind die Innenflächen der Körperhöhlen mit Schleimhaut bedeckt. Die Schleimhaut ist im Prinzip ebenso gebaut, wie die äußere Haut. Sie besteht nämlich aus einer oberen Epithelschicht, die sich ständig erneuert und darunter liegt eine Bindegewebeschicht. Die Schleimhaut ist aber viel dünner als die äußere Haut und statt der Schweißdrüsen liegen in der Schleimhaut Schleimdrüsen, die eine schleimige Flüssigkeit absondern. Die oberste Schicht der Schleimhaut der Atmungswege besteht nicht aus einfachen Epithelzellen, sondern aus Flimmerepithelzellen. Die feinen Härchen dieser Zellen führen ständig, flimmernde, sich wellenförmig fortpflanzende Bewegungen aus und befördern dadurch Staubteilchen usw. nach außen. Das Lippenrot bildet den Übergang der äußeren Haut zur Mundschleimhaut.